In unserer feuchten Klimazone wird der größte Teil des Grundwassers von den Niederschlägen gespeist, die im Boden versickern. Auf diese Weise entsteht Grundwasser ständig neu: Nachdem es im Boden versickerte und dabei gefiltert wurde, sammelt es sich auf weniger durchlässigen. Nach kurzer oder längerer Fließzeit tritt es irgendwo als Quelle oder in Bächen und Flüssen wieder zutage. Es ist somit Teil des Wasserkreislaufs von Niederschlag, Abfluss und Verdunstung und bestimmt insbesondere zu niederschlagsarmen Zeiten die Wasserführung in den Gewässern.
Das oberflächennahe Grundwasser hat für die Wassergewinnung nur eine geringe Bedeutung. Die Wassergewinnung stützt sich auf tiefer liegende Grundwasserleiter, die aufgrund ihrer Ausdehnung, Kornzusammensetzung und Mächtigkeit die Grundwasserentnahmen durch Grundwasserneubildung ausgleichen können.
Für die gesamte Wasserversorgung in Schleswig-Holstein, die sich ausschließlich auf Grundwasser stützt, werden zur Zeit rund 300 Millionen Kubikmeter pro Jahr entnommen. Das sind etwa 25 Prozent des sich jährlich erneuernden Grundwasserdargebotes. Um Auswirkungen von Grundwasserentnahmen auf Natur und Landschaft zu vermeiden, müssen sie in einem angemessenen Verhältnis zum Ausgleichsvermögen der Grundwasserleiter stehen.
Das Grundwasser selbst fließt sehr langsam, so dass die Grundwasserleiter auf jegliche Veränderung nur sehr langsam reagieren. Je nach den hydrogeologischen Verhältnissen dauert es Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte oder länger, bis die Grundwasserleiter vollständig durchströmt sind. Bei Fließgewässern hingegen liegt dieser Zeitraum nur bei wenigen Tagen. So ist es zu erklären, dass heute Grundwasserverunreinigungen beobachtet werden, deren Ursachen bereits Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen.