Überregionale Ziele
Zur Reduzierung der Eutrophierung der Küstenwasserkörper der Nordsee, der Schadstoffbelastungen in den Sedimenten der Tideelbe und die Durchgängigkeit des Elbestroms für Wanderfische sind in der Flussgebietseinheit Elbe länder- und staatenübergreifende Handlungsstrategien und Maßnahmen im gesamten Elbe-Einzugsgebiet erforderlich. Die überregionalen, auf ganze Flussgebietseinheiten bezogenen Bewirtschaftungsplanungen bilden das Kernstück der EG-Wasserrahmenrichtlinie.
In den Küstengewässern führen überhöhte Nährstoffkonzentrationen von Stickstoff und Phosphor zu einer Reihe von Eutrophierungserscheinungen. Um den guten ökologischen Zustand in den Nordseeküstengewässern Schleswig-Holsteins zu erreichen, müssen die bestehenden Stickstoff- und Phosphorbelastungen, die überwiegend aus dem Einzugsgebiet der Elbe eingetragen werden, um ca. 24 % verringert werden. Aus den Erfahrungen der Programme zur Nährstoffreduzierung im Rahmen des Meeresschutzes sowie nach fachlicher Abschätzung ist diese Reduzierungsanforderung im Einzugsgebiet der Elbe bis 2015 nicht erreichbar. Es wurde sich international darauf verständigt, die Reduzierung auf alle drei Bewirtschaftungszeiträume bis 2027 aufzuteilen. Folgende Maßnahmenschwerpunkte wurden zur Zielerreichung im Maßnahmenprogramm vorgesehen:
- die Reduzierung von Nährstoffverlusten bei der Düngung und Bodenbearbeitung bis hin zur Extensivierung von landwirtschaftlichen Nutzungen,
- die Wiedervernässung von Feuchtgebieten,
- die Erhöhung der Retentionswirkung von Fließgewässern durch Maßnahmen zur Verbesserung der hydromorphologischen Gestalt der Gewässer,
- die Anlage von Uferrandstreifen,
- die weitergehende Nährstoffelimination bei der Abwasserbehandlung sowie
- die Verbesserung der Abwasserbehandlung im ländlichen Raum.
Als Handlungsziel zur Reduzierung der Schadstoffbelastungen der Elbe wurden international Maßnahmen vereinbart, die zu einer deutlichen Reduzierung führen sollen. Während im tschechischen Teil Reduzierungspotenziale im Wesentlichen bei den Abwassereinleitungen von Industrie und Gewerbe liegen, konzentrieren sich die wasserwirtschaftlichen Maßnahmen im deutschen Teil des Einzugsgebietes auf folgende Schwerpunkte:
- Maßnahmen zur Verringerung der Verluste aus Altlastenstandorten in den früheren Industrieschwerpunkten wie z.B. im ehemaligen Chemiedreieck Bitterfeld. Maßnahmen sind hier vor allem die Abstromsicherung, Quellensanierung und -sicherung oder die Abdeckung bzw. Abdichtung gegenüber dem Grundwasser,
- Maßnahmen zur Reduzierung von Schadstoffausträgen aus Altbergbaustandorten vor allem der ostdeutschen Länder und
- Maßnahmen zur Reduzierung von Schadstoffausträgen aus bedeutenden Altsedimentablagerungen im Gewässer, den Auen und Vorländern.
Bei den Schadstoffen können keine konkreten Bewirtschaftungsziele an Messstationen im Unterlauf der Elbe angegeben werden, weil sich die Schadstoffe überwiegend im Sediment anlagern und je nach hydrologischen Verhältnissen im Strom verlagert werden. Bei Hochwasser wird die Verlagerung der kontaminierten Sedimente beschleunigt. Ziel der Maßnahmen ist es, die Quellen der Neuverschmutzung zu schließen. Wegen der gewaltigen Dimensionen der belasteten Areale ist die Verhinderung weiterer Austräge eine nationale, wenn nicht sogar europäische Aufgabe. Unterliegerländer wie Schleswig-Holstein werden davon profitieren, dass sich mittel- bis langfristig die Schadstoffbelastungen der Elbesedimente und die Sedimente der Nordsee verringern werden und die Unterbringung des Baggergutes aus der Gewässerunterhaltung der Tideelbe erleichtert wird.
Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Wanderfische wie den Lachs, die Meerforelle, den Stör oder den Aal ist eine weitere überregionale Aufgabe bei der Umsetzung der WRRL. Gemeinsam mit den Bundesländern und Tschechien wurde abgestimmt, welche Nebengewässer der Elbe für Wanderfische geeignet sind und entsprechend ökologisch entwickelt und durchgängig gestaltet werden sollen. Dabei wurde auch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in die Entscheidungen eingebunden, soweit schiffbare Gewässer betroffen sind. Das Wehr Geesthacht wird mit einer, nach neuesten Erkenntnissen gestalteten zweiten Fischaufstiegsanlage am schleswig-holsteinischen Ufer ausgestattet, um einer hinreichenden Zahl von Fischen den Zugang zum 130.000 km2 großen Einzugsgebiet oberhalb von Geesthacht zu ermöglichen.
Die überregionalen Maßnahmen wurden in Anbetracht ihres Umfangs, technischer Probleme, natürlicher Bedingungen und der vielfältigen Nutzungsansprüche in der Flussgebietseinheit auf mehrere Planungsphasen verteilt. Der Bewirtschaftungsplanentwurf ermöglicht gemeinsam mit dem Maßnahmenprogramm ein kohärentes und verbindliches Flussgebietsmanagement. Nach Umsetzung der geplanten Maßnahmen wird in den schleswig-holsteinischen Flussgebietseinheiten eine deutliche Verbesserung des ökologischen Zustands der Oberflächengewässer und des chemischen Zustands des Grundwassers erreicht, die in den folgenden Bewirtschaftungszeiträumen weiterentwickelt werden muss.