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Eine Kinder-Sommeruniversität mit Zukunft

Ausstellung der Schulprojekte im Kreuzgang des Ratzeburger Doms
Ausstellung der Schulprojekte im Kreuzgang des Ratzeburger Doms
Foto: Jürgen Nelting

Szene vom Wassermarkt
Szene vom Wassermarkt: so wird heute noch in vielen Regionen Afrikas das Wasser für den täglichen Bedarf über weite Wege transportiert.
Foto: Jürgen Nelting

Nerptun mit Nixe auf dem Wassermarkt
Nerptun mit Nixe auf dem Wassermarkt: Ein beliebtes Fotomotiv.
Foto: Jürgen Nelting

Szene während der kanzelerklärung im überfüllten Dom
Szene während der kanzelerklärung im überfüllten Dom.
Foto: Jürgen Nelting

Ein Landschaftsmodell veranschaulicht Gewässerstrukturen auf dem Wassermarkt
Ein Landschaftsmodell veranschaulicht Gewässerstrukturen auf dem Wassermarkt.
Foto: Jürgen Nelting

Schminken mit Wassermotiven
Schminken mit Wassermotiven

„ … Wasser muss besonders geschützt werden, denn ohne Wasser würden alle Lebewesen, ob Tier, Pflanze oder Mensch, sterben. …̶ Abschnittweise lesen die Delegierten der Kinder-Wasserkonferenz ihre Kanzelerklärung vor. Etwas Mut gehört schon dazu. Der Ratzeburger Dom ist überfüllt. Rund 1000 Kinder sind versammelt, dazu die Begleitpersonen. Viele sitzen vorn im Chorraum auf dem Fußboden. Darunter, auf Stühlen, auch fünf Politiker; sie reagieren einer nach dem andern auf die Thesen der Kinder.

Die „Ratzeburger Kanzelerklärung“ (Download als PDF) ist das Ergebnis einer langen und intensiven Beschäftigung mit den zahlreichen Facetten des Themas Wasser. Siebzehn Schulen aus ganz Schleswig-Holstein entsandten rund 80 gut vorbereitete Mädchen und Jungen nach Ratzeburg, die an einer Kinder-Wasserkonferenz teilnahmen. Im Rokokosaal des Kreismuseums wurden sie musikalisch und mit einem Anspiel begrüßt, ein gelungener Auftakt. Im Lauf des Tages berichten sich die Kinder in moderierten Gruppen von ihren Projekten. Im Kreuzgang des Ratzeburger Doms bauen sie kleine Ausstellungen zu ihren Themen auf: von der Sintflut über das Wasser in der Eiszeit bis zum Deichbau, von Gewässerrenaturierungen bis zum neuesten Wasseraufbereitung, und vieles andere mehr. Später erarbeiten sie in Gruppen ihre Kanzelerklärung und werden schließlich mit einem Bunten Abend belohnt. Todmüde begeben sie sich um 22.00 Uhr in die örtliche Turnhalle zur Übernachtung.

Es war die erste Kinder-Sommeruniversität dieser Art. Sie gliederte sich in drei aufeinander aufbauende Abschnitte:

a) eine längere, dezentrale Projektphase zu einem Oberthema,

b) eine Delegiertenkonferenz, in welcher die Projektergebnisse untereinander ausgetauscht und vertieft werden;

c) einen öffentlichen „Wasser-Erlebnistag“ mit einem vielfältigen „Wassermarkt“ mit Experimenten, Anschauungsmaterial, Führungen, mit Vorlesungen, Spielen, Kunst, Singen.

Zum Wasser-Erlebnistag kamen über 1.000 Kinder aus 34 Schulen. Dramaturgischer Höhepunkt war die Verlesung der Kanzelerklärung und die Reaktion der Politiker darauf.

Von den populären Veranstaltungen einzelner Universitäten mit spezifischen Vorlesungen für Kinder unterschied sich die Ratzeburger Kinderuni grundsätzlich: Kindgerechte Vorlesungen spielten als fakultative Angebote nur eine flankierende Rolle. Im Mittelpunkt sollten die Kinder und ihre Projekte stehen, der Austausch der Kinder untereinander, die öffentliche Rede der Kinder von der Kanzel.

An der Planung und Durchführung der Veranstaltung, die von der BINGO-Lotterie, dem Land Schleswig-Holstein und der Nordelbischen Kirche maßgeblich finanziell gefördert wurde, haben viele mitgewirkt: Ausrichter war der gemeinnützige Verein zur Bildung und Förderung der Sommeruniversität Ratzeburg. Das Ökologiezentrum der Universität Kiel war logistisch, personell und ideell stark beteiligt, ebenso das Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften an der Universität Kiel und das Institut für die Biologie und ihre Didaktik an der Universität Flensburg. Gemeinsam ist es den Initiatoren mit den Lehrerinnen und Lehrern gelungen, naturwissenschaftlich-technische Zugangsweisen mit existentiellen, d. h. ästhetischen, emotionalen, kulturellen und spirituellen Impulsen kindgerecht zu verknüpfen.

Die Kinder-Sommeruniversität „Wasser erleben“ war im besten Sinne Bildung für eine nachhaltige Entwicklung, die notwendig in die Bildung politischen Bewusstseins einmündet. Die geladenen Politiker (Staatssekretäre Peter Knitsch, Umwelt- und Landwirtschaftsministerium S-H und Dr. Manfred Hiltner, Kultusministerium M-V; Eckhard Kuhlwein,SPD; Niclas Herbst, CDU; MdB Dr. Christel Hapach-Kasan, FDP)

würdigten einhellig die Bedeutung solcher integrativen Bildungsmaßnahmen. Staatssekretär Knitsch plädierte zudem für eine stärkere Einbindung von Kindern und Bildungsträgern in die Kommunikation der Wasserrahmenrichtlinie in Schleswig-Holstein.

Das Erfolg versprechende Konzept verlangt nach einer Fortsetzung. Weitere Kinderuniversitäten dieser Art sollen das Angebot an Bildungsveranstaltungen für eine nachhaltige Entwicklung in Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren bereichern. Geplant ist ein Veranstaltungszyklus von drei Jahren mit wechselnden Themenschwerpunkten.

Nähere Informationen zur Durchführung und zu den Hintergründen der Kinder-Sommeruniversität erteilt der Verein zur Bildung und Förderung der Sommeruniversität Ratzeburg e. V.:

Dr. Arnd Heling,
Fuchsgang 1,
24119 Kronshagen,
Tel.: 0431 85460

Oder der Umweltbeauftragte der Nordelbischen Ev.-Luth. Kirche:

Dr. Thomas Schaack
www.umwelt-nek.de
Tel.: 04671-9112-63