


Immer mehr Deutsche steigen aufs Fahrrad, um die Landschaft zu entdecken und in Schwung zu bleiben. Als Route besonders beliebt sind Touren an Flüssen. Langsam durch wechselnde Landschaften fahren, ihre Gerüche und Farben in sich aufnehmen und dabei etwas für die Gesundheit tun, anhalten, wo es einem gefällt – diese Form des Urlaubs wird immer beliebter. Meist flache, gut ausgebaute und autofreie Wege, viele Gaststätten und jede Menge Sehenswürdigkeiten machen den Reiz der Flusstouren aus.
Gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) hat das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume sechs Fahrradtouren durch Fluss- und Seenlandschaften Schleswig-Holsteins entwickelt. Alle Strecken können auf einem soliden Trekkingrad oder einem Hollandrad bewältigt werden. Nur wenige Streckenabschnitte verlaufen über unbefestigte Landwirtschafts- oder Forstwege. Der Schwierigkeitsgrad ist für Menschen gedacht, die beim gemeinsamen Radfahren die Wasserlandschaften genießen und noch genug Luft zum Schnacken haben wollen.
Alle Fahrradtouren können per Bahn erreicht werden.
Moore haben ihre eigene Zeit. Sie wachsen beständig - in einem Jahr um einen Millimeter. Im Wasserland Schleswig-Holstein hat die Moorbildung mit dem Ende der letzten Eiszeit eingesetzt. Im Dosenmoor bei Bordesholm ist der Torfkörper seither zu einer Mächtigkeit von über zehn Metern aufgewachsen. Eine Fahrradtour durch die stillen Moore rund um Bordesholm bietet abwechslungsreiche Natur und überall freien, unverbauten Blick in die Landschaft. Im Anschluss an das Dosenmoor führt sie durch das Große Moor. Hier vermittelt das Schülper Torfwerk, das noch bis vor wenigen Jahren in Betrieb war, einen Eindruck, wie Torf produziert wurde. Eine Besonderheit sind die Störche mit Jungvögeln auf einem Fabrikschornstein in Dätgen.
Der tiefste Punkt Deutschlands ist nicht weit entfernt – 3,54 Meter unter Null bei Neuendorf – wenn wir in Wilster zu unserer Tour starten. Die Wilstermarsch ist flach und liegt zu weiten Teilen unter dem Meeresspiegel. Jahrhunderte lang hat die Auseinandersetzung mit dem Wasser das Leben der Menschen in der Marsch bestimmt, bis heute prägt sie das Gesicht der Landschaft. Die Flussufer sind mit Deichen bewehrt, ein Netz von Gräben durchzieht die Felder. Für die Entwässerung des unter dem Meeresspiegel gelegenen Landes waren die Schöpfmühlen unerlässlich. Zwischen der Wilsterau-Mündung und Stördorf liegt, schon von weitem sichtbar, ein Stück links vom Weg die Wasserschöpfmühle in Honigfleth. Sie wurde vor wenigen Jahren renoviert und ist voll funktionsfähig. Eine Fahrradtour entlang der Wilsterau und Stör ist etwa 28 Kilometer lang. Die Tour verläuft ohne größere Steigungen auf sehr ruhiger Strecke und ist für einen Ausflug mit Kindern sehr gut geeignet. Anfahrt: Wilster liegt an der Bahnlinie Itzehoe-Heide.
Jahrzehntelang war der Kreis Herzogtum Lauenburg „Zonenrandgebiet“. Von dieser erzwungenen Randlage der Region hat die Natur profitiert. Weniger als andernorts wurde sie hier durch wirtschaftliche Entwicklung und Zersiedlung bedrängt. Schon 1960 wurde der Naturpark "Lauenburgische Seen" ins Leben gerufen. Auf 47.400 Hektar erstreckt sich ein struktur- und biotopreiches Gebiet: über 40 Seen mit intakten Verlandungszonen, Fließgewässer, Heideflächen, Moore und Feuchtwiesen. Wasserlandschaften spielen auf dieser Route also wieder eine ganz besondere Rolle. Zahlreiche empfehlenswerte Cafés säumen den Rundkurs.
Die Tour durch den Naturpark ist etwa 45 Kilometer lang (Start und Ziel in Ratzeburg) bzw. etwa 32 Kilometer (Start in Mölln, Ziel in Ratzeburg). Die Tour verläuft mit einigen Steigungen auf ruhiger Strecke. Anfahrt: Ratzeburg und Mölln liegen an der Bahnlinie Lübeck-Büchen-Lauenburg.
Im nördlichsten Schleswig-Holstein, kurz vor dem Königreich Dänemark, schmiegt sich zwischen die Meere eine echte Idylle – die Treenelandschaft. Fernab vom Massentourismus erwartet Erholungssuchende unverfälschte Natur, Kultur und Gaumenfreuden. Denn hier oben hat es die letzte Eiszeit gut gemeint. Alles, was der Gletscher zwischen Flensburg und Schleswig mitgebracht hatte, ließ er einfach liegen: Sanfte Hügel, naturnahe Bäche, Seen, Moore, Wälder, Heiden und sogar herrliche Binnendünen. Die Treene, die im Treßsee südlich von Flensburg entspringt und als einer der schönsten Flüsse Schleswig-Holsteins gilt, schlängelt sich natürlich durch das Hügelland und die Geest.
Radfahrer können in dem herrlichen Gebiet mit seltener Flora und Fauna Bekanntschaft machen. Küchenschelle und Knoblauchkröte, Wollgras und Wiesenweihe, Kreuzotter, Eisvogel, Orchideen und rare Libellenarten fühlen sich hier richtig wohl. Dorfgasthöfe servieren ökologisch erzeugte Produkte aus der Region, seien es Gerichte vom Treene-Rind oder vom Treene-Lamm.
Die Tour an der Oberen Treene ist etwa 30 Kilometer lang. Die Tour ist leicht zu befahren, allerdings für Räder mit Anhänger nur bedingt geeignet, da Teile der Strecke auf manch-mal engen Wald- und Feldwegen verlaufen. Anfahrt: Tarp liegt an den Bahnlinien Padborg/Dänemark-Flensburg-Hamburg sowie Flensburg-Neumünster.
Sanft bricht helles Licht durch die Kronen der alten, ausladenden Laubbäume, die ein schützendes Dach bilden. Keck tanzen die Sonnenstrahlen mit den Fliegen und Libellen über der glasklaren Wasseroberfläche um die Wette. Plopp – und wieder geht ein Haubentaucher auf Tauchstation. Sekundenlang verschwindet er im Nichts, bis er ein paar Meter weiter wieder an der Wasseroberfläche auftaucht. Idylle und Natur pur an der Schwentine. Rund 50 Kilometer ist er lang, der „Heilige Fluss“, so die Übersetzung des slawischen Namens. Pittoresk schlängelt er sich vom Großen Eutiner See in Eutin durch 17 Seen, Dörfer und Städte, entlang an schönen Gärten, Häusern und Villen.
Unsere Tour durch das Herz der Holsteinischen Schweiz gibt Einblicke in das abwechslungsreiche Landschaftsmosaik aus Seen, Uferwäldern und Knicklandschaften. Die Tour ist etwa 25 Kilometer lang, mit Abstecher zum Parnaß-Aussichtsturm in Plön 28 Kilometer. Sie führt zum Teil auf Kieswegen durch die hügelige Landschaft. Anfahrt: Eutin und Plön liegen beide an der Bahnlinie Kiel-Lübeck. Bei schönem Wetter lohnt es sich, Badezeug mitzunehmen.
Die Eider, der längste Fluss Schleswig-Holsteins, bestimmt den Charakter der Eider-Treene-Sorge-Region. Die Landschaft wirkt durch ihre Stille und Unberührtheit und den weiten Horizont. Bei Lunden grenzt das Land zwischen den drei Flüssen an die Schleswig-Holsteinische Marsch. Vor fünftausend Jahren war hier noch Meer, die Küstenlinie verlief östlich vom heutigen Lunden bei Kleve. Die Meeresströmung bildete aus Sand und Geröll eine Nehrung, die schließlich die dahinter liegende Niederung vom Meer abschnitt - ein Prozess, den man auch heute noch an den Küsten beobachten kann. Im Laufe von Jahrhunderten konnten dort das Lundener und Krempeler Moor zu mächtigen Hochmooren aufwachsen. Kiebitzrufe begleiten uns entlang des Wegs.
Unsere Tour beginnt in Friedrichstadt, dem Amsterdam des Nordens. Die Tour ist etwa 43 Kilometer lang. Sie ist für die Fahrt mit Kinderanhängern ungeeignet. Anfahrt: Friedrichstadt liegt an der Bahnlinie Hamburg-Altona – Heide – Husum – Westerland.